I n h a l t

D a s   P a n t z e r f e l d   e i n s t   u n d   j e t z t

 
Auszug aus der Chronik der Volksschule Pantzergasse

Die starke Bevölkerungszunahmen Döblings in den sechziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts war für die einzige Schule in der Vormosergasse zuviel. Es kam unter Bürgermeister Kreindl im Jahre 1885 zur Erbauung eines neuen, geräumigen Schulhauses in der Pantzergasse (genannt nach dem Gastwirt und Grundbesitzer Pantzer, dem das Pantzerfeld gehörte, wo er 1820 das erste Haus erbaute). Von 1885 bis 1908 war hier die Volks und Bürgerschule, ab 1908 nur die Volksschule untergebracht.

Die einzige, vom Bombenangriff 1944 verschontgebliebene Chronik aus den Schuljahren 1908 bis 1920 wurde beim Umbau des Schulkellers in einem alten Kasten entdeckt. Sie erzählt in alter deutscher Schrift von großen Schülerzahlen (bis 56 Kinder), von schönen Schulfesten, von der Verköstigung armer Schulkinder in Form einer Schulausspeisung (1908) und von wöchentlichen Schulmessen um 6:15 Uhr früh. Zeugen aus dieser Zeit berichten uns davon in Interviews.

Einige Streiflichter aus dieser Zeit:
 

1910
wurde im Parterre unserer Schule ein Übungsraum für die Musikkapelle des städtischen Knabenhortes eingerichtet.
 

1910/11
wurden in der Pantzerschule schon Förderstunden, 1911 der erste Tierschutztag eingeführt. Dazu ein Zitat aus der Chronik: "Die Kinder zeigten Interesse und Begeisterung und waren freudig erregt, Selbsterlebtes erzählen zu können. Die Klassen waren dekoriert, Vorträge, Gedichte und Lieder über Pflanzen und Tiere wurden vor- und nachmittags abgehalten."

8. Juli 1911
Erstmals unternahm eine Lehrerin unserer Schule eine geographisch-geschichtliche Führung durch den 19. Bezirk.

Weihnachten 1911
hundert Paar Schuhe wurden als Weihnachtsgabe an arme Schüler verteilt.

1912
Erster Skioptikon (=Stehbilder)- Vortrag: "Das Eisen."

1913/14
Turnunterricht bei starker Schülerzahl in Riegen geteilt (zwei Lehrer).

Weihnachten 1913
104 Paar Schuhe an "arme und brave" Schüler verteilt.

1913
Erster Kino-Vortrag für 330 Schulkinder im "Auge-Gottes"-Kino

1914/15
Im Zeichen des ersten Weltkrieges Einquartierung von Soldaten.
Wechselunterricht in der Schule:
Montag, Mittwoch, Freitag 8-12 Uhr
Dienstag, Donnerstag, Samstag 14-17 Uhr.

Sammlung von Einsiedegläsern für Militärspitälern. Liebesgaben unserer Schüler für die Soldaten im Felde: Tabakwaren, Kaffee, Seifen, Kerzen, Bleistifte, Briefpapier (925 Päckchen). Kinder stricken Wollsocken für Soldaten.

1915
Gemüseanbau durch unsere Schulkinder.

1916
Unsere Schule sammelt so fleißig Pakete für unsere Soldaten, dass ein Schüler der Pantzerschule auf den Nordwestbahnhof die Danksagung des Bürgermeisters verlesen darf! Witwen- und Waisenfond hilft den bedürftigen Kriegsweisenkindern unserer Schule. Sechs Kinder dürfen bei der Aktion "Wiener Kinder aufs Land" mitfahren. Bisher 14 Schülerväter und ein Lehrer im Krieg gefallen.

1917
Sammlung von Rosskastanien. Bereitstellung von Winterbekleidung für unsere Kriegswaisen. Ablieferung des Kaffeesatzes zur Ölgewinnung. Ausspeisung armer Schulkinder: ein warmes Frühstück.

22. 5. 1917
Erste Fliegeralarmprobe (Versammlung der Kinder im Schulparterre). Unsere Schulkinder sammeln in den Häusern: Taschentücher, Wäsche, Leinwandreste.

November 1917
Arme Schulkinder erhalten Holzschuhe

August 1918
152 Schulkinder fahren als Ferienschüler nach Ungarn.

1918/19
Kohlenmangel. Unterrichtszeitkürzung. Räumung der Schule von der Einquartierung. Schwimmlehrerkurs eröffnet.

1919
Ausspeisung von 341 Kindern durch Amerikaner.

1920
Unterricht noch immer im Schulhaus Pyrkergasse 14, da Schule Pantzergasse noch nicht wieder hergestellt. Durch den Bombenangriff 1944 auf unsere Schule gingen viele Amtsschriften und auch die Chroniken von 1920 bis Ende 1944 verloren.

Am 11. Mai 1945
wurden 190 Schulen in Wien wieder eröffnet. Durch zeitbedingte Erschwernisse konnte nur ein Notunterricht abgehalten werden. Unsere Schule in der Pantzergasse war durch Bombentreffer stark beschädigt, der Unterricht fand in der Schule Pyrkergasse 14 statt.

August 1945
Die Besatzungstruppen der Alliierten übernehmen zusätzlich zur Verwaltung auch das Schulwesen. Unser Schulbezirk ist den Amerikanern unterstellt.

November 1945
Alle Schulen Döblings werden zu drei Winterschulen zusammengefasst. Schulfunk eingeführt. Schülerausspeisungen.

1946/47
Noch immer im Schulgebäude Pyrkergasse. Die Schweizer spenden jedem Schulkind eine Tafel Schokolade. Zu Weihnachten bekommt jedes Kind ein Weihnachtspaket mit Süßigkeiten, Zahnbüste, Zahnpasta und einem Buch. Einrichtung von Wärmestuben wegen extrem starker Kälte: zwei mal zwei Stunden Notunterricht.

1947
Gründung des Elternverein.

1948/49
Beginn des Wiederaufbaues unserer Schule.

1949
Übersiedlung ins wiederaufgebaute Schulgebäude: 18 Klassen, Aufnahme von Klassen aus anderen Schulen. Elternverein kauft Radio und Stehbildapparat für die Schule.

bis 1960
Einquartierung des BRG für Mädchen. Billrothstrasse. Elternverein erwirbt viele Nützliche Dinge für die Schule: unter anderem ein Klavier, Lehrmittel, Bücher für die Schülerbücherei.

ab 1966
Einrichtung einer Vorschulklasse.

1960-1967
Einquartierung des BRG 19, Gymnasiumstrasse 79.

seit 1964/65
Musikschule und Singschule im Gebäude. Ebenso mehrer Turnvereine.

1962
Schule bekommt Ölöfen.

1968
Erste Wasserleitung im Lehrerzimmer.

Von 1962 bis 1977
Außer normalen Schulbetrieb finden sehr viele Feste und Feiern unter Leitung der verdienstvollen Lehrerin Frau Charlotte Krusche, statt, die auch einen Schulchor gründet. Leider hat die Schule kein Fließwasser, Klassen und Schulmöbel sind veraltet, nur die notwendigsten Reparaturen werden durchgeführt.

Juni 1974
Einleitung von Fließwasser im Haus, große Gas und Wasserinstallationen.

September 1974
Renovierung des Turnsaales, Gangfenster repariert. Musikhörstunden, Besuche in der Bezirksvorstehung.

Mai 1975
Wandbelagsarbeiten in allen Räumen.

Juni bis September 1975
Malerarbeiten. Gebäude ist heller und freundlicher geworden. Schulschwimmen im neuerbauten Hohe Warte Bad.

Dezember 1976
Tag des Baumes: Politiker und Schauspieler pflanzen mit den Schülern zwei Kugelahornbäume vor dem Schulhaus.

Jänner 1978
Zwei Linden in den Schulhöfen gepflanzt.

1979/80
Einführung der fünf Tage Woche an unserer Schule.

17.4.1980
Schülervater Dr. Schnabel (Geologe) zeigt den begeisterten Schülern seinen 12 Kg schweren Meteoritenfund.

April 1981
Bischöfliche Visitation durch Herrn Bischof Moser.

April 1982
Neue Umbauten, Zubauten und sonstige bauliche Veränderungen, Zentralheizungsarbeiten ausgeschrieben.

Mai 1982
Baubeginn Zentralheizung, Verfließung, neue WC.

Sommer 1983/84
Modernisierung von vier Klassen (Fenster und Fußböden).

Ab April 1985
Neuerliche Renovierungen - Gassenfenster modernisiert, vier Klassen erneuert, Fußböden, Fenster, Beleuchtung, Verfließung, abgehängte Decken, ...

1985
In diesem Schuljahr wird unser Schulhaus, das so viele gute und schlechte Zeiten erlebt hat, 100 Jahre alt!

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August 2017

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